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25.03.10 14:15 Alter: 166 Tag(e)

Interview mit dem Defensive Coordinator

VON: JOLI

Auf dem Trainingslager der Invaders haben sich ein Teil der Coaches einem Interview gestellt. Während draußen der Faaker See auftaute, sprach man im Bundessportzentrum über Karriere, Football und die Invaders 2010 (und natürlich Wiener Schnitzel - oder doch nicht?). Teil 2 mit Defensive Coordinator Sean Morris.


INVADERS: Coach Sean Morris, danke vorerst für das Interview!

Coach: (Antwortet auf Deutsch) Bitteschön

Wie sind Sie in Kontakt mit den Invaders gekommen, wann haben Sie sich entschieden nach Europa zu kommen und was wussten Sie über Europa?

Vor einem Jahr habe ich im Sommer eine Rundreise durch Europa gemacht und habe dabei ein paar Footballspieler in Florenz kennengelernt. Wir saßen zusammen und haben über Coaching in Europa gesprochen. Zurück in den Staaten, während der Footballsaison, habe ich mich online informiert. Ich habe mein Resumee auf europlayers.com gestellt und mit einigen Teams Kontakt gehabt. Eines davon waren die Invaders, von denen ich noch nie etwas gehört hatte.  Aber ich wollte unbedingt nach Europa zurück um verschiedene Länder und Kulturen kennen zu lernen. Eine weitere Urlaubsreise hätte ich mir nicht leisten können.

Sie sind Geschichtslehrer, haben Sie schon Sehenswürdigkeiten  besucht, seit Sie hier sind?

Nachdem das Wetter noch nicht so schön war, haben wir noch keine Sehenswürdigkeiten im Freien besucht, jedoch war ich schon in ein paar Kirchen in Wien und St. Pölten. Ich möchte unbedingt nach Salzburg und Wien etwas besser kennenlernen. Im Moment ist es etwas kalt, nicht so wie in Kalifornien.

Wann haben Sie angefangen zu Coachen?

Ich habe 2003 ein Junior Varsity Team gecoacht. Innerhalb eines Jahres stieg ich auf zum Defense Koorinator.

Was waren die größten Momente als Coach?

Das ist eine gute Frage. Hier zu sein ist definitiv ein Höhepunkt. Verschiedene Typen von Spielern, andere Mentalitäten zu trainieren ist eine Herausforderung, einfach etwas ganz Neues. 2004 hatten wir ein gutes Championsteam und die Liga gewonnen. Vorletzte Saison hat man meinem Team so richtig den Hintern versohlt und letztes Jahr hatten wir dann unsere Revange. Wir haben 40 Punkte gescored und kaum welche zugelassen. Wir waren körperlich sehr stark, physisch.

Als Defense-Coordinatior, was sind die wichtigsten Dinge, die man einem Spieler beibringen muss? Was ist die Basis?

Das Wichtigste ist die Dinge einfach zu halten. Für den Spieler muss es einfach sein damit er nicht viel denken muss, wenn er zu viel denkt, spielt er nicht mehr hart.

Headcoach Cash hat gesagt ein Defense Coach ist immer der Böse. Muss man als DC manchmal böse und aggressiv sein?

Ja, man muss kantig sein und denken, dass jeder gegen dich ist. Man muss immer alles aus den Spielern herausholen, aber man darf nicht ungut werden.

Was waren die ersten Eindrücke von der Organisation und dem Team der Invaders?

Den ersten Eindruck bekam ich via Telefon mit Thomas (Ebner) vermittelt. Er war sehr konsequent, er hat angerufen, gemailt, wann immer er es gesagt hat, dass er es tun würde. Immer. Die anderen Teams waren da nicht so. Kurz bevor ich abgeflogen bin haben sie mich alle angerufen. Da habe ich mich aber schon entschieden gehabt. Der nächste Eindruck war – und danach war ich sehr aufgeregt und gespannt - beim ersten Training: Ihr kennt nur eine Geschwindigkeit, full speed. Alles was ihr gemacht habt, war zu 100 Prozent. Ich musste nie sagen, macht es ordentlich, seid härter. Österreicher scheinen ziemlich hart ran zu gehen.

Was denken Sie über das Niveau in Österreich?

Wie ich gehört habe ist es das höchste in Europa, ich weiß es aber nicht und kann es auch nicht vergleichen. Ich würde es mit Highschools zu Hause vergleichen.

Haben Sie sich schon eingewöhnt hier in St. Pölten?

Ja, ich genieße es sehr, die Leute sind sehr nett, meistens. Ich habe noch keinen getroffen der ungut war. Darum habe ich meinen Leuten schon erzählt, ich könnte es mir vorstellen hier eine Weile zu leben.

Die kommende Saison, was werden wir den AFL-Teams bieten?

Die großen Teams werden uns keinen Respekt zeigen, weil wir neu sind in der AFL. Aber wir werden nicht vor irgendjemanden zurückschrecken. Wir werden physisch sein, egal wie der Punktestand ist, oder gegen wen wir spielen. Wir machen einfach unseren Job.

Was ist der Unterschied zwischen Football in den Staaten und hier in Österreich?

Der große Unterschied ist, dass die Kinder zu Hause mit Football aufwachsen. Hier beginnt man auf eigene Faust zu spielen und bringt sich mühsam alles selbst bei. Zu Hause ist der Kampf um eine Position größer, vielen Österreichern fehlt es an Technik, weil sie nicht oder wenig gecoacht wurden.

 

Profil:

Sean Morris...

... lasst Leute gern raten, wie alt er sei, verratet uns aber, dass er 26 ist.
... kann sich nicht entscheiden, ob er lieber Schnitzel oder Kebap hat, drum nimmt er das Cordon Bleu.
... fühlt absolut kein Heimweh, vermisst aber seinen Hund (also doch!?).
... würde gerne zusätzliche Liner haben, oder mehr Trainingszeit, wenn er einen Wunsch frei hätte.
... will nach dieser Saison im seiner Highschool coachen, außer es ergibt sich eine Möglichkeit als Lehrer, von der er hier leben könnte.
... ist sich nicht sicher, ob er im Juli wieder heimfliegt.
... denkt, dass Vinny ein toller Quarterback mit starkem Wurfarm ist und dass unsere Offense mit Germaine im Backfield dominieren kann.
... denkt, dass Coach Cash ein gutes Offense System installiert, das gut funktionieren kann.
... weiß wie viel Coach Cash über die Offense weiß... SEHR VIEL.
... denkt, dass unsere Defense noch einiges zu tun hat, aber nach dem Training letzte Nacht ist er guter Dinge.
... raucht nicht, gar nicht.
... wundert sich, was für tolle Fragen er gestellt bekommt.
... weiß nicht was sein glücklichster Moment im Leben war, weiß aber ganz genau, dass er die besten Eltern der Welt hat.
... mag alle Sportarten, hat Leichtathletik gecoached und liebt Basketball, kann sich mit Fußball nicht identifizieren.
... mag die San Francisco 49ers.
... haltet Germaine für schnellen, agilen, untacklebaren Running Back mit unglaublicher Übersicht und würde sich nicht wundern ihn wieder in der NFL zu sehen.
... findet, dass Vinny ein Leader ist, der von österreichischen Linebackern schwer getackelt werden wird.
... weiß nicht wo er bei Coach Cash beginnen soll, denn er beschreibt ihn als wissensreich, so wissensreich, dass es nicht mehr lustig ist.
... liebt es mit Coach Cash zu sprechen, weil er so viel über Football, Offense, Defense, jede Position, jedes Detail weiß und ist wie ein Schwamm der sein Wissen aufsaugt.
... hat eine großartige Zeit hier und weiß, dass ihn seine Freunde daheim dafür hassen werden, aber er ist lieber hier im Schnee, neben einem eingefrorenen See um Football in Österreich zu coachen, als am Strand, denn...
... "lieben Österreich".

... braucht Grammatiknachhilfe (Anm., siehe oben).

 

Foto: Albin Fuss

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